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Mittwoch, Februar 20, 2008
ich habs gewusst...
..und soeben kommt die
meldung rein !
staatsdiener auf der
five-million-disc ! 
(natuerlich
gilt auch hier die unschuldsvermutung)
+++Halbgötter für Hartz-IV-Hütten+++
Von Reinhard Mohr (spiegel)
+++anmerkung von rpk: natuerlich hat herr mohr vollkommen recht, dass er "die linke" als post-stasi-linke bezeichnet macht ihn nicht ganz zum vollidioten+++
Du sollst Dir kein falsches Vorbild machen. Und trotzdem tun wir es immer wieder: Millionen Deutsche gieren nach Glanz und Glamour von Fußballstars, Managern, Adel und anderen Prominenten - so korrumpiert diese auch sein mögen. Denn das Publikum verwechselt hartnäckig Glück mit Geld.
Als Kind liebt man Papa und Mama, vielleicht noch die Oma. Und dann kommt schon "Tokio Hotel". Früher waren es Ringo Starr, John Lennon, Jimi Hendrix oder Mick Jagger. Ein bisschen später Ché Guevara. Heute mögen es Herbert "Mööööhöööönsch!" Grönemeyer, Amy Winehouse oder Bushido sein. Doch die wirklichen Helden des modernen Lebens sind nicht einfach nur die Pop-Ikonen unserer Tage. Sondern die echten Siegertypen.
Die lebenden Legenden, die binnen weniger Jahre alles klarmachen und dann mit ihren gefühlten Phantastilliarden nach Monaco oder in die Schweiz ziehen. Es lebt sich einfach angenehmer dort, und auch die hart ersparten Millionen werden steuerlich sehr ansprechend behandelt.
Ob Boris Becker, Michael Schumacher oder Franz Beckenbauer – längst haben wir uns daran gewöhnt, dass der Erfolgreiche zugleich der Schlaue ist und seine Schäfchen im Ausland ins Trockene bringt. Auch der Chef von Müllermilch hat's getan wie unzählige andere, die sich zur deutschen Elite zählen und in Talkshows unablässig darauf hinweisen, wie wichtig es ist, den Standort Deutschland fit zu machen. Nur leben wollen sie dort nicht, jedenfalls nicht mit erstem Wohnsitz. Sie sind ja auch nicht so dumm wie "Vadder" Graf, der Preisgelder für Steffi schonmal in Plastiktüten wegschaffte und am Finanzamt vorbeimogelte. Sie wissen, wie's geht.
Der Fall Zumwinkel und die ganze Steueraffäre rücken plötzlich wieder die deutsche Elite ins Zwielicht. Wie eine Ironie der Geschichte wirkt da die Tatsache, dass ausgerechnet in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitung der Post ein schönes Zumwinkel-Zitat in fetter Druckerschwärze prangt: "Führungskräfte sind Vorbilder!"
Ja nee, is' klar.
Die Frage ist nur: Für was? Für das Anhäufen möglichst großer Reichtümer in möglichst kurzer Zeit, für lebenslang entspanntes Golfspielen auf den Seychellen, für perfektes Finanzmanagement an der Steuer vorbei, für die Inszenierung einer Biedermeierfassade, hinter der nichts als Habenhabenhabenwollen steckt? Im Ernst: Was ist denn jetzt mit der Vorbildfunktion der Führungskräfte? Und andersherum: Wen bewundern da eigentlich so viele Leute und warum?
Warum jubelten Millionen ihrem Schumi im roten Ferrari zu, der mit seinen Millionen doch lieber in der Schweiz residiert - fern von hartnäckigen deutschen Steuerfahndern. Ganz legal und durchaus elegant, versteht sich. Warum wird Boris Becker immer noch als Nationalheld angesehen, dessen einzige Pflicht darin besteht, immer wieder mal die Frau zu wechseln und bei Reinhold Beckmann ausführlich darüber zu berichten?
Stimmen für die Post-Stasi-Linke
Wieso ist "DSDS"-Dieter Bohlen, trotz alledem, so beliebt, obwohl er seine Millionen vorrangig der massenhaften Verbreitung akustisch-ästhetischen Sondermülls verdankt? Warum wird eben noch Post-Chef Zumwinkel dafür gefeiert, dass er den Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro akzeptiert hat, obwohl er kurz danach, ganz nebenher, noch einen privaten Aktienreibach von 4,73 Millionen machte? Nun sind Empörung und Betroffenheit groß, und Oskar Lafontaine wartet nur darauf, die Stimmung in den Fußgängerzonen der Republik in Stimmen für seine Post-Stasi-Linke zu verwandeln.
Aber wenn man genau hinschaut, leben wir in wahrhaft schizophrenen Verhältnissen. Wenn Samstag für Samstag Hunderttausende Zuschauer in den Fußballstadien Schweini, Poldi & Co. feiern, die spätestens im Alter von 25 Jahren Multimillionäre sind, dann klingt die gerade wieder erhobene Forderung nach der Begrenzung von Spitzengehältern ein bisschen hohl.
Frage: Wie viel darf
wer für welche Leistung verdienen? Und wer entscheidet darüber? Soll
Herr Ackermann von der Deutschen Bank auf ein paar Millionen jährlich
verzichten, während Top-Fußballstars mitunter für zweistellige
Millionenbeträge den Verein wechseln? Und wer hat mehr Verantwortung
fürs Gemeinwohl: der Chef von 400.000 Arbeitnehmern oder der Spielmacher
des HSV, dessen Hauptaufgabe darin besteht, seinen Steilpass exakt auf
dem rechten Schlappen des eigenen Mittelstürmers landen zu lassen?
Apropos
Schlappen: Was ist mit dem Schlüpfer von Paris Hilton, der
millionenschweren Hotelerbin? Der ist zwar meist abwesend, aber genau
darum starren Millionen Menschen darauf, was dieses blonde amerikanische
Nichts mit der Ausstrahlungskraft einer asiatischen Seegurke tagtäglich
verrichtet – oder eben nicht.
Was treibt so viele Menschen dazu, sich in "Bunte", "Gala" und "Vanity Fair", bei "Hallo Deutschland" (ZDF), "Brisant" (ARD) oder "Exclusiv" (RTL) die endlose Freakparade der Schönen, Reichen und Berühmten reinzuziehen? Fast so, als sei man süchtig nach all dem Glamour-Chi-Chi? Warum gehen die Einschaltquoten hoch, wenn über das Leben der Superreichen in St. Moritz berichtet wird? Die vor die schwere Wahl gestellt werden, gleich zwei mit Silber, Gold und Diamanten geschmückte Weihnachtsbäume im Wert von 100.000 Dollar mit nach Hause zu nehmen?
Currywurst des alltäglichen Dschungelkampfs
Wahrscheinlich ist es ganz einfach: Hier werden Träume vorgeführt, die noch die kleinste Hartz-IV-Hütte für kurze Zeit erstrahlen lassen. Ähnliches gilt für all die Aufstiegsmärchen aus den vergangenen Jahren irgendwo zwischen Börsenhype und Investmentbank, Hollywood und Köln-Hürth, wo selbst mittelmäßig Begabte zu "Superstars" und "Mega-Promis" aufgebaut werden können, wenn man sie nur auf die richtige Erfolgsschiene gesetzt hat – so wie einst quäkende Kleinkinder auf den Pott.
Natürlich krankt jede Debatte über "Vorbilder" und "Werte" von vornherein an ihrem Aggregatzustand, und der ist luftig-schwebend, physikalisch gesprochen: gasförmig. Also hochflüchtig. Appellativ. Schlimmstenfalls moralistisch und praktisch folgenlos. Hier kann man nichts festnageln, erzwingen oder gesetzlich regeln. Die Gesetze formulieren die Sanktionen für nachweisbares, justiziables Fehlverhalten, die Menschenrechte stehen im Grundgesetz, das für alle gilt. Werte und Vorbilder aber leben davon, dass sie von Mehrheiten wirklich akzeptiert oder gar für gut und notwendig gehalten, vor allem aber: dass sie befolgt werden.
Der Kantsche Imperativ, so glasklar und wunderbar er formuliert ist, hängt eben schon seit mehr als 200 Jahren in der Luft wie ein Parmaschinken an der Kellerdecke. Viele kommen einfach nicht dran. Vielen reicht die Currywurst des alltäglichen Kampfs zwischen Schwarzarbeit und vordatierter Bewirtungsquittung.
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Aber könnte es vielleicht sein, dass in unser globalisierten, durchökonomisierten Welt nicht nur bei Zumwinkel, Schumi & Co., sondern bei sehr vielen von uns der Gedanke allmählich verblasst, dass hinter all dem Rummel und Getöse, hinter all den falschen wie richtigen, bösen wie guten Vorbildern die entscheidende Frage steht: Was macht ein gutes, was macht ein halbwegs sinnvolles, geglücktes, gar glückliches Leben eigentlich aus?
Wie immer, wenn es eng wird, kommt man auf die alten Römer zurück, die das alles längst hinter sich haben.
"Zwischen dem Werk, das du treibst", riet der Dichter Horaz, "lies stets und befrage die Weisen, wie du leichten Sinnes hinbringen mögest das Leben, dass Begierde dich nicht, die immer bedürftige quäle, noch aus Furcht und Hoffnung auf wenig nützliche Dinge."
Vielleicht findet demnächst das eine oder andere gefallene Vorbild Zeit und Gelegenheit, den Horaz in der Gefängnisbibliothek auszuleihen.