« weltmeistertitel fuer unsere damen !! | Main | unter folter dann hat sie ausgesagt... »

Sonntag, September 30, 2007

hochinteressant....

die diskussionsrunde um 17:00 bei phönix. dieser geniale gysi glaenzte mit einem hervorragendem statement zu dem buch "gott-eine kleine geschichte des grössten." ..gysis letzter kommentar war sinngemaess so: ich bin kein atheist, ich bin heide, denn heiden sind menschen, die gott noch nicht erreicht hat. gysi machts wie ich; er hat ein lockeres, aber friedliches verhaeltnis zu gott und raeumt umunwunden die moeglichkeit ein, dass es ihn geben koennte.......der verfasser muss das buch wohl in einem ansprechenden stil geschrieben haben, naemlich sehr humorvoll. er bedauert den verkrampften stil der philosophen und pocht auf verstaendlichkeit, weitab aller in die wortes-knechtschaft gefallenen philosophen-versteher....auch dieser herr ist ganz meiner auffassung.

Gysi ganz nah bei Gott

Der Linksfraktionschef äußert bei einer Buchvorstellung Sympathie für die Kirchen und erntet dafür Respekt von Friedrich Merz

HENRY LOHMAR

BERLIN Als Kind teilte Gregor Gysi bei seinem ersten Krankenhausaufenthalt ein Zimmer mit einem Pfarrerssohn. Der betete jeden Abend – aber so leise, dass der kleine Gregor nichts verstand. Erst als Gysi ihm seinen Talisman vermachte, sprach der Zimmergenosse lauter. Er habe dann heimlich mitgebetet, so Gysi. "Ich dachte: Schaden kann’s ja nicht. Wenn es Gott doch geben sollte, habe ich vielleicht Vorteile."

Eine nette Anekdote, die viel über die Cleverness des späteren Rechtsanwalts Gysi aussagt. Der heutige Linksfraktionschef erzählte sie am Dienstagabend in Berlin bei der Vorstellung des Buches "Gott – eine kleine Geschichte des Größten" des Autoren Manfred Lütz. Atheist Gysi war gemeinsam mit dem katholischen Unionspolitiker Friedrich Merz erschienen, um das Buch zu besprechen.

Der Theologe, Psychotherapeut und Arzt Manfred Lütz geht in seinem Werk der Frage nach der Existenz Gottes nach. Diese Frage interessiere "entweder alle – oder keinen", so Lütz. Als Beispiele dafür, dass sein Thema allgegenwärtig sei, führte er die Wertedebatte, die Hirn- und Stammzellenforschung, den Streit um Darwin und die "Kreationisten" oder auch den "Kampf der Kulturen" an. Im Zentrum all dieser Diskussionen stehe unausgesprochen die Frage, ob es Gott gibt oder nicht.

Friedrich Merz, der mit dem Autor seit gemeinsamen Studentenzeiten befreundet ist, lobte die unverblümte, teils drastische Sprache des "überzeugten Rheinländers" Lütz. Auch habe er den großen Respekt des Autors vor dem Atheismus bewundert. In der Politik sei ein transzendentaler Bezug für ihn aber immer wichtig gewesen. Deshalb, so Merz, werde die Linke auch scheitern, weil ihr der rechte Rahmen für ihre Werte fehle.

Das wollte Gregor Gysi zwar so nicht stehen lassen, indirekt bestätigte er aber seinen konservativen Gegenpart. Die Linke in Europa sei derzeit nicht in der Lage, die Gesellschaft mit moralischen Werten zu prägen, so der Sprössling einer jüdischstämmigen Familie. Dies könnten momentan nur die Kirchen. Die Linke sei dazu erst in der Lage, wenn sie ihr eigenes Versagen in der Ära des Staatssozialismus glaubhaft aufgearbeitet habe. "Insofern ist eine gottlose Gesellschaft auch eine wertlose Gesellschaft."

Lütz, der von Gysi für seine Deutungen der Religionskritiker Nietzsche und Feuerbach im Buch durchaus heftig kritisiert worden war, zeigt sich hocherfreut ob solcher Worte. "Wenn alle Atheisten so reflektiert über Religion reden würden wie Gregor Gysi, wäre das in Ordnung." Und selbst Friedrich Merz – wer hätte das gedacht? – nickte heftig bei der Feststellung Lütz’, dass es eben viele Atheisten gebe, die bessere Christen seien als so mancher Kirchensteuerzahler.

Gysi berichtete noch, dass er von seinem Vater, der in der DDR zeitweilig Staatssekretär für Kirchenfragen war, zwar nicht religiös, aber zu großem Respekt vor den Kirchen erzogen worden sei. "Auch wenn du schon 500 Jahre tot bist, gibt’s die immer noch", habe sein Erzeuger gesagt. Und schließlich – auch das wollte er noch los werden – seien die zehn "Grundsätze der sozialistischen Moral", die SED-Chef Walter Ulbricht 1958 verkündet habe, nahezu vollständig von der Kirche abgekupfert gewesen. Aber das fiel insofern kaum auf, weil sich eh keiner drum gekümmert hat.

Das Buch "Gott – eine kleine Geschichte des Größten" erscheint in diesen Tagen im Pattloch-Verlag. Einen exklusiven Vorabdruck finden Sie im heutigen "MAZ-spezial".

Posted by at 9:26 PM
Edited on: Sonntag, September 30, 2007 9:35 PM
Categories: