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Sonntag, August 26, 2007

nach 30 jahren ist eh fast alles verjaehrt....

...und ich koennte mal eine story berichten, die sich um die jahre 1964 ereignete. es war das jahr, als das farbfernsehen erfunden wurde, und 3 jahre spaeter kaaeflich wurde und keine sau es sich leisten konnte, weil die kiste von telefunken 1.700.- dm kostete, es ohnehin nur 3 programme gab und die meisten sendungen noch schwarz/weiss waren.....wie gesagt, um 64 eben und ich habe grad meinen fuehrerschein gemacht. frisch aus der technikerschule musste ich im anschluss noch eine lehre machen, denn die berufsbezeichnung maschinenbau-techniker wurde erst im zusammenhang mit einer maschinenbau-lehre wirksam. also suchte ich mir eine lehrstelle, stark verkuerzt auf 2 jahre bei der stadt frankfurt am main. die lehre verlief relativ langweilig fuer mich, da die meisten ausbildungsdinge bereits abgeschlossen waren...es war die prakrische arbeit, die fuer mich recht neu war. also hatten wir viel zeit und widmeten uns den nebeneinkuenften, wie uebrigens ein jeder, der handwerker bei der stadt war. alles konnte besorgt werden, alles war erhaeltlich, alles wurde gedealt....und man landete jeweils fuer ein viertel-halbes jahr in verschiedenen betriebsbereichen. so erlebte ich eine modellbauwerkstatt in einer berufsschule, wo ich elektromodelle fuer die lehrkoerper basteln durfte. ich betrieb die werkstatt allein und es war gruendlich langweilig, sodass meine versetzung zur starssenbahninstandsetzung willkommen war. diese war in einem depot, welches heute als theater genutzt wird. hier wurde wohl am meisten gearbeitet, so eine strassenbahn bringt technisch einen riesenaufwand mit sich. in der werkstatt der werkzeugmacher fertigte ich dort mein gesellenstueck, eine kleine druckmaschine, zumindest hab ich dort begonnen. nach 3 monaten endlich wurde ich ins paradies versetzt, die hafenbetriebe. die aufgabe der hafenbetriebe war in erster linie die instandhaltung der hafenbahn und der hafenkraene....und hier fiel fast nur freizeit an und mein hier ungenannter kollege und ich, wir waren mit der beschaffung allerlei exotica beschaeftigt, die sich im hafengelaende auffinden liessen. trapp`s verwertungsgesellschaft lieferte fahrraeder und buecher, weil ganze bibliotheken zu dieser zeit im alt-papier landeten, taeglich neu. so kam ich zu einem lutherdruck, ein original sammelband der lutherschriften. "wider die raeuberischen und moerderischen rotten der bauern....", "von der freiheit eines christenmenschen..." etc...diese flugblattsammlung war mit holzstichen von lukas chranach versetzt und brachte mir letztlich 30.000.- dm. ...ich wurde zum "finder" und relativ wohlhabend. einige skizzenbuecher der kronberger schule und viele enzyklopaedien wanderten aus der verwertung zu mir....nicht nur bei trapp wurde gesucht, eigentlich im gesamten hafengebiet.....es war die zeit, als die dampflocks ausser betrieb gestellt wurden und zerschnitten.... lampen, armaturen, messingraeder und alle lok-utensilien waren gefragte handelsobjekte. wir hatten einen elektro-karren zur verfuegung, auf dem unser werkzeug lag und so fuhren wir rueber in die grossmarkthalle, um fahrraeder gegen bananenstauden zu dealen, oder mal ne stiege obst aller art.... ein tagesuebliches geschaeft der mitarbeiter der hafenbetriebe... nun waren die heizungen zu dieser zeit oft mit kohle betrieben und die grossen kohlenhaendler hatten im hafengelaende ihre halden und ich heizte meinen huehnerstall in neu-isenburg, wo ich zu 40.- dm wohnte, kostenfrei. ein auto hatte ich zu jeglichem transport, zu dieser zeit eine renauld (R4) parisienne...ein kleiner lastwagen....nun war da ein kohlenhaendler mit einer ringfoermigen riesenhalde, in deren mitte ein kleines backsteingebaude stand. dies war nur zu erreichen, wenn man ueber die halde stieg und es war ein hochsicherheitstrakt, rundum schwer vergittert mit sehr stabiler stahltuer. bei der inansichtnahme stellten wir fest, dass die tuer seit mindestens 20 jahren verriegelt ist und der rost hatte deutliche spuren rundum angesetzt. ....unbeobachtet war dieser innenring der kohlehalde auch und keien sau interessierte sich fuer die halde und wir mit elektrokarren und latzhose mit emblem machten natuerlich ohnehin einen hoch-wichtigen eindruck....kurz gesagt, wir setzten den schneidbrenner an die stahlriegel der tuer und brannten uns kurzerhand den weg in das backsteingebaeude. mit regalen ausgestattet verstaubten auf selbigen tueten und kaestchen, kisten und ueberseekoffer, alles bestens verpackt. unsere stichproben liessen uns die herzen im hals schlagen......figuren, antike tonware, schrumpfkoepfe, gold-schmuck. mumien,............wir ruehrten vor angst nichts an, fluechteten aus den gebaeude, schweissten die riegel wieder zusammen und alterten die naehte kuenstlich mit salzwasser, verliessen den ort und schwiegen fuer jahre........

millionenwerte lagen vor uns und oft haben wir uns gefragt, ob wir nicht hoch-daemlich ware. heute wurde ich die frage mit ja beantworten.....aber wer weiss.

die lehrzeit ging vorrueber, die studienzeit in offenbach ging vorrueber, mit kohle wurde nicht mehr geheizt und es gab 12 fernsehprogramme, alle schoen bunt. ich hatte die bundeswehr hinter mir......war aber immer mal im osthafen um zu sehen, was mit dem kleinen backsteingebaeude sei. die kohlen waren weg, aber inmitten des riesigen platzes stand es, unberuehrt.......wir hatten uns selbstaendig gemacht, hoffmann war aus oberhausen gekommen und hier kulturdeternent geworden und fassbinder inzenierte in der stadt........und dann bekam ich den auftrag, das neu zu gruendende muse*um fuer voelker*kunde in der juedischen villa am ufer auszustatte. die kopfleistung der wissenschaft wurde vom prof. kel*m und seinen mitarbeitern frau dr. A und herrn dr. M. erledigt. die konzeption und gestaltung lag bei uns, bis hin zur aufstellung der ersten praesentation, "herrscher und untertanen", eine suedamerikanisch ethnologisch historische darstellung.....diese museum war vor dem kriege im holzhausenschloesschen untergebracht und mit der bombardierung der stadt an 3 verschiedene stellen evakuiert worden....die exponate wurden aufs land verfrachtet, die bomben fielen, die mitarbeiter des museums auch und die kenntnisse ueber die lage der verbleib-orte der exponate war verschollen......ja, ihr ahnt es schon !
ich suchte einen weg, dem prof. kel*m meine kenntnisse mitzuteilen, ohne meinen einbruch zu gestehen. aber ich fand keinen und so habe ich in einer stillen stunde und unter 4 augen alles erzaehlt... die riesenfreude des proffessors ueber die wiederbeschaffung liess nie wieder die sprache auf den bruch kommen und die exponate wurden geborgen. kein mensch erfuhr von der aktion und prof. kelm veroeffentlichte die story mit keinem wort. aus der "beute" erhielt ich als geschenk von ihm einen jivaro-schr*umpfkopf...ich machte noch ein buch mit dem prof., restaurierte jede menge mumien etc........der prof. verstarb wenige jahre darauf und der letzte zeuge ging dahin..........nun ists verjaehrt und ich wuerde die sache bestreiten, mags glauben wer will !

Posted by at 9:25 AM
Edited on: Montag, August 27, 2007 5:51 AM
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